Buchhaltungssoftware für den Markteintritt: Worauf es ankommt
Ein China-Unternehmen, das in Deutschland eine Tochtergesellschaft gründet oder ein bestehendes Unternehmen übernimmt, steht vor der Frage, mit welcher Software die Buchhaltung, der Monatsabschluss und die Belegablage organisiert werden. Die Auswahl wirkt sich unmittelbar auf laufende Kosten und den Zeitaufwand der Finanzabteilung aus. Drei Anbieter werden häufig genannt: DATEV, lexoffice und sevdesk. Dieser Vergleich strukturiert die Entscheidung anhand von Kosten, Zeit, Risiken und praktischen Kriterien. Er ersetzt keine steuerliche oder rechtliche Beratung, sondern liefert eine Entscheidungsmatrix.
Rechtliche Rahmenbedingungen: E-Rechnung und GoBD
Seit der Einführung der E-Rechnungspflicht für den B2B-Bereich müssen Unternehmen in Deutschland Rechnungen maschinenlesbar empfangen können. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) und das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) stellen die offiziellen Vorgaben bereit. Für Buchhaltungssoftware bedeutet das: Sie muss Formate wie XRechnung oder ZUGFeRD unterstützen und eine revisionssichere Ablage nach den Grundsätzen zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern (GoBD) gewährleisten. Alle drei genannten Produkte bilden diese Anforderungen ab – mit unterschiedlichem Aufwand bei Einrichtung und Betrieb.
DATEV: Hohe Integration, höhere Einstiegshürde
DATEV ist in der deutschen Steuerberaterwelt der Standard. Viele Wirtschaftsprüfer und Steuerkanzleien arbeiten über DATEV-Schnittstellen mit ihren Mandanten zusammen. Für ein China-Unternehmen bietet sich DATEV an, wenn der deutsche Steuerberater bereits DATEV nutzt und die Finanzabteilung in Deutschland eng mit dieser Kanzlei kommuniziert.
Kosten: DATEV ist kein reines Abo-Produkt. Neben monatlichen Lizenzgebühren fallen ggf. Genossenschaftsanteile und Zusatzmodule an. Für kleine Tochtergesellschaften mit einfachen Strukturen kann DATEV überdimensioniert sein.
Zeit: Die Einrichtung dauert deutlich länger als bei Cloud-Tools. Die Einarbeitung in Masken, Kontenrahmen und Auswertungen ist anspruchsvoll. Im laufenden Betrieb erleichtert DATEV den Monatsabschluss, weil Steuerberater und Unternehmen im selben Datenmodell arbeiten – das spart Rückfragen und erneute Exporte.
Risiken: DATEV schafft eine starke Bindung an das DATEV-Ökosystem. Ein späterer Wechsel zu einer anderen Software ist mit Datenmigration und Einarbeitung verbunden. Für ein Start-up oder eine kleine Vertriebsgesellschaft kann dieser Wechselaufwand zum unternehmerischen Risiko werden.
lexoffice: Geringe Kosten, schnelle Einführung
lexoffice ist eine Cloud-Buchhaltungslösung für Kleinunternehmen und Start-ups. Sie ist auf einfache Bedienung ausgelegt: Belege werden per App fotografiert, Bankbewegungen automatisch importiert und Rechnungen im E-Rechnungsformat erstellt. Für ein China-Unternehmen mit wenigen Transaktionen in der Anfangsphase ist lexoffice eine praktikable Lösung, um die Pflichten in Deutschland zu erfüllen.
Kosten: lexoffice ist ab etwa 20 bis 40 Euro pro Monat erhältlich, je nach Tarif und optionalen Funktionen wie der Anbindung an Steuerberater. Die Preise sind transparent und gut kalkulierbar.
Zeit: Die Einrichtung dauert wenige Stunden. Bereits nach einem Tag lassen sich Belege erfassen, Rechnungen schreiben und Auswertungen erzeugen. Der wöchentliche Zeitaufwand ist gering, solange die Belegmenge überschaubar bleibt.
Risiken: lexoffice stößt an Grenzen, wenn mehrere Gesellschaften, komplexe Verrechnungen oder ein umfangreiches Anlagevermögen abgebildet werden müssen. Auch die Zusammenarbeit mit dem Steuerberater ist nicht automatisch reibungslos – der DATEV-Export ist teilweise nur in höheren Tarifen enthalten. Das sollte vor der Entscheidung geprüft werden.
sevdesk: Flexibel und auf Zusammenarbeit ausgelegt
sevdesk ist ebenfalls eine Cloud-Lösung, die sich an kleine und mittlere Unternehmen richtet. Der Schwerpunkt liegt auf einfacher Belegerfassung, Bankfeeds und Eingangsrechnungsworkflow. Gegenüber lexoffice bietet sevdesk in einigen Tarifen eine direkte DATEV-Schnittstelle an, was die Kommunikation mit dem Steuerberater erleichtert.
Kosten: sevdesk ist mit etwa 20 bis 50 Euro pro Monat zu veranschlagen. Die Preisstruktur hängt von der Anzahl der Nutzer, Rechnungen und optionalen Module wie dem DATEV-Export ab. Es lohnt sich, die aktuellen Preislisten auf den Anbieterseiten zu vergleichen.
Zeit: Die Implementierungszeit ist kurz, die Oberfläche auf deutsch und englisch verfügbar. Die automatische Kategorisierung von Buchungen sowie das Scannen von Belegen über die App reduzieren den täglichen Aufwand deutlich.
Risiken: sevdesk ist weniger verbreitet als DATEV. Deutsche Steuerberater akzeptieren die Exporte zwar häufig, aber nicht immer ohne Nacharbeit. Für ein China-Unternehmen, dessen Muttergesellschaft in einem anderen Zeitzonen- und Rechnungslegungsumfeld arbeitet, sind die begrenzten Auswertungsmöglichkeiten gegenüber DATEV zu prüfen.
Vergleich der wichtigsten Entscheidungskriterien
| Kriterium | DATEV | lexoffice | sevdesk |
|---|---|---|---|
| Monatliche Kosten | Höher, individuelle Lizenzmodelle | Richtwert 20–40 EUR | Richtwert 20–50 EUR |
| Einarbeitungszeit | Wochen | Stunden bis wenige Tage | Stunden bis wenige Tage |
| E-Rechnungsempfang | Ja | Ja | Ja |
| Monatsabschluss | Umfangreiche Auswertungen | Standardauswertungen | Standardauswertungen |
| Zusammenarbeit mit Steuerberater | Besonders eng | Über Export, teilweise kostenpflichtig | DATEV-Schnittstelle je nach Tarif |
| Skalierbarkeit | Für Konzerne geeignet | Für kleine Einheiten | Für kleine und mittlere Einheiten |
Welche Lösung für Ihr China-Unternehmen passt
- Steuerberater nutzt bereits DATEV: Wenn die deutsche Steuerkanzlei DATEV-basiert arbeitet, spart DATEV oder eine DATEV-fähige Cloudlösung mit sauberem Export Zeit und vermeidet Medienbrüche.
- Kleine Belegmenge, wenig Personal: lexoffice oder sevdesk sind kostengünstiger und schnell einsatzfähig. Der Zeitaufwand für Schulung und Administration bleibt gering.
- Mehrere Gesellschaften oder Konsolidierung: DATEV bietet mehr Möglichkeiten, konzernbezogene Auswertungen und Abschlüsse strukturiert abzubilden.
- E-Rechnung und GoBD-Konformität: Alle drei Anbieter unterstützen die gesetzlichen Formate. Allerdings sind Updates und Tarifänderungen regelmäßig zu prüfen, da sich die rechtlichen Anforderungen weiterentwickeln.
Praktische Prüfschritte vor der Entscheidung
Ein China-Unternehmen sollte nicht nur die Software, sondern auch den eigenen Steuerberater in die Auswahl einbeziehen. Fragen Sie vor Vertragsabschluss, welche Schnittstellen Ihre Kanzlei unterstützt. Testen Sie, ob der Export von Belegen und Buchungsdaten im DATEV-Format enthalten ist. Prüfen Sie außerdem die Anbindung an deutsche Bankkonten und die Möglichkeit, E-Rechnungen an öffentliche Auftraggeber über die Plattform des Bundes zu senden.
Kosten und Zeit sind eng mit der Unternehmensgröße verbunden. Eine schnelle und günstige Einführung bringt wenig, wenn der Monatsabschluss später händisch nachbearbeitet werden muss. Umgekehrt ist eine teure DATEV-Infrastruktur unnötig, wenn nur wenige Buchungen pro Monat anfallen. Entscheidend ist die langfristige Passung zu Steuerberater, Belegvolumen und der internen Finanzkompetenz.
Offizielle Quellen
- Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) – E-Rechnung
- Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) – E-Rechnung, XRechnung
- ELSTER – Elektronische Steuererklärung
- Germany Trade & Invest (GTAI) – Markteintritt in Deutschland
- Unternehmensregister – Handelsregister
- IHK – Information und Beratung für Unternehmen
- Zoll – Ausfuhr- und Einfuhrbestimmungen
Stand: 2026-08-14
Alle Angaben ohne Gewähr; bitte die offiziellen aktuellen Fassungen prüfen.
Dieser Artikel ist keine Steuer- oder Rechtsberatung.

